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Sind Ihre Patientendaten sicher? Kritische Betrachtungder elektronischen Patientenakte (ePA)

Lesedauer: 5 Minuten

Am 15. Januar 2025 beginnt in Modellregionen die Einführung der elektronischen Patientenakte (ePA). Was auf den ersten Blick wie ein Fortschritt für das deutsche Gesundheitssystem wirkt, birgt auch erhebliche Risiken. Experten warnen vor Sicherheitslücken und datenschutzrechtlichen Problemen, und der Chaos Computer Club (CCC) fordert gar ein „Ende der ePA-Experimente am lebenden Bürger“. Doch wie bei vielen kontroversen Themen gibt es auch hier zwei Seiten der Medaille.
 

Das Thema kurz und kompakt

Schnelligkeit und Effizienz: Die ePA ermöglicht Ärzten im Notfall sofortigen Zugriff auf wichtige Informationen wie Medikationen und Vorerkrankungen. So können lebensrettende Entscheidungen schneller getroffen und unnötige Untersuchungen vermieden werden.
Personalisierte Medizin: Durch die Verknüpfung von Gesundheitsdaten wie Lebensstil, Medikationshistorie und Vorerkrankungen wird eine individuell abgestimmte Therapie möglich – ein großer Schritt Richtung Zukunftsmedizin.
Forschung und Innovation: Anonymisierte Patientendaten können – mit Einwilligung – zur Entwicklung neuer Therapien und Heilmethoden beitragen. Je mehr Daten, desto zielgerichteter die Forschung z. B. bei Krebs oder seltenen Erkrankungen.

Was ist die ePA und warum brauchen wir sie?

Die elektronische Patientenakte soll die medizinische Versorgung revolutionieren. Sie ermöglicht eine zentrale Speicherung wichtiger medizinischer Daten wie Arztbriefe, Befunde, Medikationspläne und Untersuchungsergebnisse. Diese Daten können von behandelnden Ärzten, Krankenhäusern, Apotheken und Pflegekräften eingesehen werden – natürlich nur mit Ihrer Zustimmung.

Ein großer Vorteil: Patienten können ihre eigenen Gesundheitsdaten ebenfalls verwalten und Ergänzungen vornehmen, etwa bei nicht verschreibungspflichtigen Medikamenten oder Nahrungsergänzungsmitteln. Gerade in Notfällen kann der Zugriff auf aktuelle Medikationslisten und Allergien Leben retten.

Doch der Weg zu einer flächendeckenden Digitalisierung ist steinig. Viele Patienten kennen sich mit der Verwaltung ihrer Daten nicht aus, und selbst grundlegende Zugänge zur App sind oft schwerfällig. Hinzu kommen Sicherheitslücken, die potenziell fatale Folgen haben können.

Die Kehrseite: Gefahren für Datenschutz und Sicherheit

Gesundheitsdaten gehören zu den sensibelsten Informationen, die ein Mensch besitzt. Doch wie sicher ist die ePA tatsächlich? Tests des CCC offenbarten gravierende Schwachstellen: Patientenkarten konnten problemlos nachgeahmt, Arztkarten gefälscht und sensible Daten missbraucht werden. Hacker könnten beispielsweise Daten manipulieren oder nutzen, um Patienten zu erpressen.

Gefahr durch Datenhandel

Ein besonders heikles Thema ist der potenzielle Missbrauch von Gesundheitsdaten durch Datenhandel. Antonios Tzovaras, Geschäftsführer von DIGANETZ, warnt: „Ohne ein solides Sicherheitskonzept riskieren wir, dass sensible Gesundheitsdaten zu einer lukrativen Handelsware werden. Das wäre ein schwerer Schlag für die Akzeptanz solcher Systeme.“ Es gibt bereits einen florierenden Markt für personenbezogene Daten, und Gesundheitsdaten sind besonders wertvoll. Unternehmen könnten gezielt Werbung auf Basis von Diagnosen schalten, etwa für teure Therapien oder Medikamente. Noch alarmierender ist die Möglichkeit, dass solche Daten ohne Einwilligung an Versicherungen oder Arbeitgeber weitergegeben werden, was in der Folge zu Diskriminierung führen könnte.

Risiko der Erpressung

Auch Erpressungen sind ein reales Risiko. Stellen Sie sich vor, ein Hacker erlangt Zugriff auf Ihre ePA und findet heraus, dass Sie an einer peinlichen oder stigmatisierenden Krankheit leiden. Diese Information könnte verwendet werden, um Sie zu bedrohen: Entweder zahlen Sie eine Summe X, oder die Informationen werden öffentlich gemacht. Solche Szenarien sind keine Science-Fiction, sondern bereits aus anderen Bereichen bekannt, in denen sensible Daten gestohlen wurden.

Besonders brisant: Ein Missbrauch könnte weitreichende Konsequenzen haben. Denken Sie an potenzielle Probleme mit Berufsunfähigkeitsversicherungen, private Krankenversicherungen oder gar Krediten – alles hängt von den gespeicherten Daten ab.

Ein weiteres Problem: Der administrative Aufwand, der auf Patienten zukommt. Wollen Sie, dass ein bestimmter Arzt keinen Zugriff auf Ihre Therapieunterlagen hat? Dann müssen Sie diese über die ePA-App sperren – und das am besten, bevor die Daten eingetragen werden.

Reimund Runnau, Vice President IT & Operations bei DIGANETZ, betont: „Die Digitalisierung im Gesundheitswesen bietet immense Chancen, aber nur, wenn wir die richtigen Sicherheitsvorkehrungen treffen. Die Sicherheit und das Vertrauen der Patienten dürfen dabei niemals kompromittiert werden.“

Warum die ePA dennoch wichtig ist

Trotz der Sicherheitsbedenken bleibt die elektronische Patientenakte eine zentrale Grundlage für die Zukunft der medizinischen Versorgung.

1. Schnelligkeit und Effizienz

In medizinischen Notfällen zählt jede Sekunde. Wenn ein Notarzt direkt sehen kann, welche Medikamente ein Patient nimmt oder welche chronischen Krankheiten vorliegen, kann er gezielter handeln. Doppeluntersuchungen und unklare Diagnosen lassen sich vermeiden.

2. Personalisierte Medizin

Die ePA ermöglicht eine umfassendere Betrachtung des Patienten. Lebensstil, Vorerkrankungen und Medikationshistorien können miteinander verknüpft werden, um personalisierte Therapien zu entwickeln.

3. Forschung und Innovation

Ein zentraler Datenpool – anonymisiert und nur mit Einwilligung der Patienten genutzt – könnte bahnbrechende Fortschritte in der medizinischen Forschung ermöglichen. Ob Krebs, Diabetes oder seltene Krankheiten: Je mehr Daten zur Verfügung stehen, desto zielgerichteter kann geforscht werden.

Was sollten Sie tun?

Leben Sie in einer der Modellregionen wie Hamburg, Franken oder Nordrhein-Westfalen, haben Sie noch die Möglichkeit, der Eintragung Ihrer Daten zu widersprechen. Dies sollten Sie tun, wenn Ihnen die aktuelle Sicherheitslage Sorgen bereitet.

Halten Sie sich jedoch die Vorteile der ePA vor Augen: Verbesserte Notfallversorgung, weniger administrative Doppelarbeit und die Chance auf personalisierte Medizin. Informieren Sie sich ausführlich – und treffen Sie eine Entscheidung, die zu Ihnen passt.

Die ePA ist ein zweischneidiges Schwert. Sie bietet enorme Chancen, bringt aber auch Risiken mit sich. Eine transparente Kommunikation, verstärkte Sicherheitsmaßnahmen und eine vertrauenswürdige Infrastruktur sind essenziell, damit das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in das Gesundheitssystem erhalten bleibt. Nur so kann die Digitalisierung zum Erfolgsmodell werden – und das deutsche Gesundheitswesen ins 21. Jahrhundert katapultieren.